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Männerbewegung?


Männerberatung in Oldenburg


 

Rahmenbedingungen in Oldenburg

In allen größeren Städten der Republik gibt es Initiativen, Verein oder Einzelpersonen, die mit einem männerspezifischen Ansatz Beratung für den beratungsfernsten Teil der Gesellschaft anbieten. Aufgrund der verschiedenen Formen haben diese Beratungsmöglichkeiten auch differierende Schwerpunkte, Ausstattungen und können auf sehr unterschiedliche Zeiten der Existenz zurück blicken. Am wenigsten konstant haben sich die öffentlich geförderten Stellen erwiesen.

 

Oldenburg ist die einzige Stadt, in der es für Männer die Möglichkeit gibt, sich in Krisensituationen vorrübergehend räumlich zurückziehen zu können. Der Verein Männer-Wohn-Hilfe e.V. setzt sich seit über 10 Jahren dafür ein, dass Männer die Möglichkeiten haben, in Krisensituationen einen menschenwürdigen Ort aufzusuchen, der ihnen die Autonomie über ihr Leben garantiert, ihnen die Voraussetzungen zur Reorganisation ihres Lebens und Unterstützung gibt. Dieses Angebot wird seit seinem Bestehen kontinuierlich genutzt.

 

Oldenburg verfügt über mit dem ZFG (Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) über ein Institut, dass in der Entwicklung der Geschlechterfrage vielfältige Erfahrungen hat und die wissenschaftliche Begleitung leisten kann.

 

In Oldenburg gibt es seit Jahren viele Angebote für Väter/Männer die in verschiedenen Institutionen angeboten werden. Der Zugang ist allerdings immer noch mit großen Hürden verbunden, da diese Angebote nicht zentral zusammengefasst und beworben werden. Viele Angebote fanden im Bereich von Honorarkräften und Ehrenamtlichen statt. So dass es nur eine begrenzte Kontinuität der Angebote gibt. Die Väter-Kind-Treffs der Evangelischen Familienbildungsstätte sind nach über 10 Jahren der Existenz eine positive Ausnahme.

Ein erster Schritt zu einem zentralen Zugang ist der Männer-Atlas-Oldenburg:

http://www.oldenburger-männer-atlas.de/

 


 

Notwendigkeit parteilicher Beratung für Männer 1

Männlichkeit ist in den letzten drei Jahrzehnten dramatisch entwertet worden. Die Kritik am patriarchalen System, hat auch für den Einzelnen zu einer problematischen Situation geführt. Aufgrund der Ablehnung „traditionell männlicher“ Verhaltensweisen in den Beziehungen bei gleichzeitiger Verschärfung existenzieller Nöte in der Berufswelt, aufgrund des Wegbrechens alter Männerbilder ohne die Schaffung neuer positiver Visionen ist Männlichkeit als solches auf problematische und negative Versatzstücke wie Sport, Militär und Gewalt reduziert worden.

 

Weder Kinder, noch Paare, Familien oder die Gesellschaft kann es sich auf Dauer ohne negative Folgen leisten, jedes zweite Mitglied abzuwerten. Die Dynamiken der strukturellen Überlastung der Kleinfamilie sind nicht durch problematische Hoffnungen von Trennung/Scheidung zu bewältigen. Schaffen diese doch andere Probleme an Stelle derer, die nicht lösbar erschienen.

 

Männer nehmen sich selbst häufig nicht ernst. Männer werden häufig nicht ernst genommen – weder von Frauen noch von anderen Männern. Es gibt einen gesamtgesellschaftlichen Konsens, dass zunächst die Männer sich ändern müssen, dass zunächst sie die Probleme zu verantworten haben. Gleichzeitig gibt es aber für diese Verantwortungsübernahme kein Geld, keine gesellschaftliche Unterstützung und für bestehende Initiativen etc. keine positive Öffentlichkeit – weil Männer sich eben nicht mögen, nichts für sich oder andere Männer tun, eben sich nicht ernst nehmen.

 

Die Beratungen in der Männer-Wohn-Hilfe e.V. haben gezeigt: Eine der wesentlichen positiven Momente der Begegnung war das Ernstnehmen, die Bereitschaft den Anderen zu sehen und für ihn vorgesorgt zu haben. Alle Männer waren sehr überrascht über die Existenz solcher Annahme und dankbar.

 

Männer nehmen sich nicht ernst und gehen viel zu selten zu Vorsorgeuntersuchungen oder betreiben andere Formen der Selbstfürsorge. Männer haben gelernt, ihre Probleme zu verdrängen und zu verstecken. Dies ist derart ausgeprägt, dass sie außer in den Statistiken aus dem Gesundheitsbereich und den Todesarten nirgendwo auftauchen.

 

Der individuellen Verdrängung entspricht die politische. Es gibt keinen „Aufschrei“ wenn ein Ministerium feststellt, dass es zulässig ist, dass bei Unterhalt zahlenden Vätern das Existenzminimum um 25% unterschritten werden darf! (einmal abgesehen davon, welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung ihnen dann noch bleiben)

Solange Berichte wie der erste österreichische Männerbericht, Veröffentlichungen des BfFSFuJ (Männer in Bewegung) oder ähnliche völlig folgenlos bleiben, öffentlich nicht diskutiert werden, wird sich auch an der Gesamtsituation nichts ändern.

 

Es ist ein Irrglaube, dass aus der früheren Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft eine Gegensätzlichkeit abgeleitet werden kann, die eine gesellschaftliche Entwicklung ohne den Mann sinnvoll erscheinen lässt. Für eine positive Veränderung ist systemisch die Entwicklung männerspezifischer Unterstützungsformen notwendig, um z.B. Entwicklungen im Bereich des Kinderschutzes, des Frauenanteils am Erwerbsleben und geringere Selbstmordquoten bei Männern zu erreichen. Zur besseren Wirksamkeit der entwickelten Beratungskultur für Frauen ist eine ebenfalls geschlechtsbewusste Männerberatung die notwendige Ergänzung.

 


 

Notwendigkeit parteilicher Beratung für Männer 2

Neben diesen generellen Aspekten ist es auch für den Einzelnen notwendig, ein Angebot für Männer nutzen zu können. Männer versuchen ihre Probleme oft durch aggressives Verhalten auf der einen Seite oder Selbstisolation und Rückzug auf der anderen Seite zu lösen. Männer haben ein spezifisch anderes Verhalten, Nähe und Kontakt herzustellen. Sie haben das Dreieck von Vater-Mutter-Kind anders erlebt. Sie haben spezifische Erfahrungen als Jungen machen müssen, wenn sie um Hilfe gebeten oder sich geprügelt haben. Diesen spezifischen Erfahrungen gilt es gerecht zu werden.

 

Die einseitige Zurichtung von Männern auf Leistung, Gefühlsbeherrschung und Gewinnermentalität findet frühzeitig in der Kindheit statt. Dies ist auch ein Grund dafür, warum Männer oft zu lange versuchen, Probleme ohne fremde Hilfe oder fachliche Beratung zu meistern. Angst, das Gefühl versagt zu haben und Scham können dazu kommen. So kommt es zu der erstaunlichen Tatsache, dass sich Männer, angesichts ihnen unüberwindlich erscheinender Probleme, mitunter Suizid begehen, ohne jemals um Hilfe gefragt zu haben. Kompetente Beratung ist für sie ohnehin kaum erreichbar. Der Schritt in eine Beratung erscheint ihnen offenbar schwieriger als der Schritt in den Tod.

 

Fast alle Männer haben schon als Junge Opfererfahrungen machen müssen. Viele haben massive Gewalt, sei es körperliche oder seelische Gewalt, wozu auch der sexuelle Missbrauch durch weibliche Täterinnen und männliche Täter zählt, erlebt ohne, dass es einen Zugang zu Hilfe, die schon beim Verständnis, beim Wahrnehmen beginnt, gegeben hätte.

 

Männer haben vielfach niemanden, mit dem sie sich über persönliche Fragen und Sorgen austauschen. Viele haben kaum Freunde mit denen sie solche Herausforderungen besprechen können.

Die Folgen des traditionellen Männerbildes sind erheblich. So liegt die Lebenserwartung von Männern 6 Jahre unter der von Frauen. Alkoholabhängigkeit ist der zweithäufigste Grund für Krankenhausaufenthalt von Männern. Cirka 80 Prozent aller Obdachlosen sind Männer.

Umso mehr muss es verwundern, dass die staatlich unterstützte Hilfs- und Unterstützungsangebote für Männer sich ausschließlich auf die Abwendung der verursachten Auffälligkeiten (Gefängnisse etc.) konzentrieren. Vorsorge oder Prävention fehlen.

 

Gleichzeitig ist zu vermuten, dass das seit Jahren steigende Engagement von Männern, ihrer Väterlichkeit mehr Ausdruck zu verleihen und in der Kindererziehung, -betreuung und der Gestaltung von gemeinsamer Freizeit mehr Verantwortung zu übernehmen, die Sichtweisen verändert haben. Gerade die Beziehungsfähigkeit, der Zugang zu eigenen Gefühlen und die Bereitschaft, sich in andere Menschen hinzuversetzen, hat sich gesteigert. Nicht mitgewachsen ist aber die Bereitschaft der Gesellschaft, dies zu zulassen oder die Bereitschaft vieler Frauen, eine eigenständige Beziehung der Väter zu den Kindern positiv zu sehen. Die Familien stehen durch die individuell aushandelbaren Geschlechterrollen und den restriktiv begrenzenden Bedingungen sehr unter Druck. Gerade auch hier ist eine Beratungsstelle, die sich den Nöten der Väter annimmt, dringend erforderlich.

 

Selbst den Frauen, die seit Jahren professionell beraten, ist es kaum möglich die Dimensionen von Vereinzelung und Einsamkeit bei Männern zu erfassen. In der Arbeit der Männer-Wohn-Hilfe e.V. wurde immer wieder das große Erstaunen deutlich, wie wenig es an unterstützenden Möglichkeiten für Männer gibt. Aber auch bei den Beratungen in der Arbeit mit den Nutzern der Männer-Wohn-Hilfe e.V. wurde deutlich, wie sehr die Zumutungen männlicher Existenz immer wieder aus dem Blick geraten. Als ein Beispiel mag die Erkenntnis sein, dass Zwangsverheiratung auch Männer betrifft!

 

Männer haben ein eigenes Verhalten Kontakte aufzubauen. Sie zeigen ein anderes Bindungsverhalten und andere Ansprüche in der Beratung. Hier soll keineswegs wieder eine neue Geschlechtsrollenstereotypie begründet werden, aber die gesellschaftlichen Zurichtungen haben bei vielen Männern ähnliche Spuren hinterlassen.

 

Spezifische Einrichtungen haben von vornherein durch ihren besonderen Ansatz andere Vorteile, die positive Bindung zwischen Berater und Klient herzustellen. Eine Beratungsstelle für Männer würde die Zugangsschwelle deutlich senken und so in der Beratungslandschaft insgesamt einen besseren Zugang ermöglichen.

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zuletzt aktualisiert: Presse 17.04.2016 | info@maennersache-oldenburg.de